Zeitzeuge Hans Rosenfeld

(New York)

 im Gymnasium Carolinum

Am 24. Oktober 2003 konnte am Gymnasium Carolinum ein nicht alltäglicher Gast empfangen werden: Hans Rosenfeld, ein in den frühen 1930er Jahren aus Schopfloch emigrierter und heute in New York lebender Jude. Dieser greifbare, weil lebende und lebendige Zeitzeuge zog nicht nur Schüler aus der K 12/13 an, sondern auch Staatssekretär Karl Freller aus dem Kultusministerium  sowie Vertreter von Presse und Rundfunk.

Staatssekretär

Karl Freller

bedankt sich

im Namen der

Bayerischen Staatsregierung

 für Hans Rosenbergs

Beitrag zur Völkerverständigung

Der Kontakt zu Rosenfeld war durch den Schüler Robert Spanheimer (Platengymnasium) erfolgt, der eine Facharbeit über jüdische Emigranten verfassen sollte.

 Alexander Biernoth (FLZ; mittlere Reihe, ganz links) hatte die Adresse Rosenfelds zur Verfügung gestellt, worauf ein Besuch in New York erfolgte und erste Bande geknüpft worden waren.

Rosenfeld besucht seit vielen Jahren regelmäßig deutsche Schulen mit dem Ziel, der Jugend die NS-Zeit näher zu bringen. Dabei besteht er auf Fragen seitens der Jugendlichen.

Zeitzeuge Hans Rosenfeld (New York) im Gymnasium Carolinum

Er war zur Zeit der Machtergreifung Hitlers in Schopfloch eingeschult worden. Von Anfang an bekam er als Jude Diskriminierung, Abgrenzung, Einschüchterung und Beraubung der Freiheit zu spüren. Ein Umzug nach Neumarkt brachte nicht die von seinen Eltern erhoffte Besserung, da das Leben der Juden auch in diesem dichter besiedelten Raum keineswegs einfacher war. So entschloss man sich nach Argentinien auszuwandern, wo bereits ein Onkel von Rosenfelds Mutter lebte. Hier besuchte er dann eine von sieben deutschen Schulen, wovon zwei anti-nationalsozialistisch waren. Denn die Hoffnung seiner Eltern, dass sie nach spätestens zwei oder drei Jahren nach Deutschland zurückkehren werden, da doch das deutsche „Kulturvolk“ ein solches Regime nicht langfristig gutheißen könne, bestand nach wie vor. Dies stellte sich dann als Trugschluss heraus, und nach der Pogromnacht von 1938 setzte ein noch größerer Emigrationsstrom aus Deutschland ein. Im jungen Rosenfeld, der sich weiterhin über die Lage in Deutschland über deutsche, französische und britische Radiosender informiert und aus deren Propaganda voller Lügen die Wahrheit zusammensucht, beginnt der Hass auf „alles Deutsche“ zu wachsen. Jugendlich naiv geht das sogar so weit, dass er keinen deutschen Bleistift mehr kauft, weil doch dadurch die Firmen Bankrott gehen müssten.

Als in Argentinien Juan Domingo Peron an die Macht kommt, flüchtet er zusammen mit seiner dritten Frau, aber ohne seine Eltern (die ihre inzwischen dritte Existenz nicht aufgeben wollen), in die USA. Über 30 Jahre spricht er kein Wort Deutsch, bis er zusammen mit seiner Frau eine Reise nach Europa, genauer Holland und Straßburg, unternimmt. Bei der Durchreise auf einem Schiff hat er ein Schlüsselerlebnis mit einem deutschen Kapitän, dem seine Frage, warum Rosenfeld denn Deutsch sprechen könne, im Nachhinein peinlich wird. Rosenfeld kommt hier zum ersten Mal mit den Schuld- und Schamgefühlen in der deutschen Nachkriegsgesellschaft in Berührung. Von nun an sieht er es als seine Aufgabe an, den „Samen“ der Freiheit weiterzugeben, um „Rattenfängern“ von allen Seiten vorzubeugen.

„Es ist wichtig, dass wir Menschen miteinander leben, anstatt uns sinnlos zu bekämpfen. Denn Gefühle von Hass, Rache und Neid führen zu nichts und sollten lieber abgebaut werden.“

Zeitzeuge Hans Rosenfeld (New York) im Gymnasium Carolinum

Nach dem begeisternden Vortrag Fragen an Hans Rosenfeld

Oberstudiendirektor

Dr. Kautz bedankt sich bei dem Referenten

Im Gespräch mit Hans Rosenfeld:

 der Organisator der Veranstaltung,

 StD K. Buckel (Mitte), und Geschichtslehrer

 StR Markus Buchner

Unterstützer Hans Rosenfelds bei seinen Besuchen in Deutschland (v. l.):

Vera Utzschneider, Hans Rosenfeld,  Karl Buckel, Martha Spanheimer, Gerhard Spanheimer ( "Manager" Rosenfelds), Cornelia Dr. Kirchner-Feyerabend, Dr. Miersberger, Helmut Philipp)

Zeitzeuge Hans Rosenfeld (New York) im Gymnasium Carolinum

Bericht in der Fränkischen Landeszeitung

 

Text/Fotos & Layout: Christoph Buckel, Oktober 2003