Klavierrezital mit Moritz Winkelmann

24.02.26 | Zuletzt aktualisiert am 24.02.26 12:40 Uhr

Alle paar Wochen findet ein Ritual über den Dächern Ansbachs statt: Im Großen Musiksaal des Carolinum macht Prof. Moritz Winkelmann, Preisträger des Beethoven-Wettbewerbs in Bonn, halt, um mit seinem ehemaligen Studienfreund, Adam Szmidt, die Sonaten des Meisters zu besprechen, spielen, analysieren und Neues auszuprobieren. Das alles dient dem großen Ziel, alle 32 Beethovenschen Klaviersonaten bis 2027, dem 200-jährigen Todestag, mit Berlin Classics veröffentlicht zu haben; und da Ansbach zwischen Stuttgart (Wohnort) und Neumarkt (Aufnahmeort des Pianisten) liegt, hat sich dieser Modus etabliert.
Nun fiel vor ein paar Monaten bei einem Durchlauf der monumentalen letzten Sonate, op. 111, der Satz: „Eigentlich müssten alle, die im musischen Zweig sind, einmal diese Sonate live und unmittelbar erleben - selbst wenn sie sich zwischendurch einmal langweilten, könne man sich der Wirkung dieser außergewöhnlichen Komposition kaum entziehen.“

Ein paar Monate später, am 31. Januar 2026, ist es dann soweit: die Hilterhaus-Stiftung ermöglichte das ca. 60-minütige Klavierrezital. Opus 111 wird garniert vom spritzigen ersten Satz der Sonate C-Dur, op. 2,3 - und nachdem das Adagio der Pathétique die Zuhörer in den weiten, großmütigen Kosmos Beethovens eintauchen ließ, rundet der lyrische 1. Satz der Sonate op. 14,1 mit seinem Glanz in E-Dur den ersten Teil ab. Winkelmann, seit zwei Jahrzehnten auch Pädagoge, nimmt dabei die Zuhörer an die Hand, vermittelt fundiert sowie nahbar musikalische Inhalte und lädt in Beethovens Welt durch seine Betrachtungen ein.
Innerhalb dieser einen Stunde erlebt die Zuhörerschaft einen Blick auf Ludwig, den frischen Emporkömmling, und am Ende auf den gereiften und vom Schicksal gezeichneten Meisterarchitekten der Töne; op. 111 berührt nicht nur durch die außergewöhnliche mit geschlossenen Augen zelebrierte Intensität des Vortrags, sondern auch durch das zuvor erläuterte persönliche Schicksal des Komponisten: das Recken der Faust gegen die Tragödie der eigenen Taubheit.
Am Ende sind es die authentischen Geschichten, die, wenn so gekonnt vermittelt, uns nahegehen - das Publikum applaudiert aus vollem Herzen, die Presse ist begeistert, die Kinder und alle anderen Zuhörer bereichert.

Text: Adam Szmidt
Fotos: Ellen May

Von rechts: Friedrich Hilterhaus, Moritz Winkelmann, Ellen May